Entspannen – einmal Anders

Wem ist das nicht schon mal passiert? Man lässt sich zum Kauf einer Spiegeloptik verführen und ist vom Mangel an Bildqualität bitter enttäuscht!

Doch das muss nicht sein, denn anders als bei Linsenoptiken, wo manche, aufgrund von Fertigungstoleranzen, Fehler aufweisen, reicht es bei einem Reflektor oft schon aus, den Spiegel zu entspannen und ihn neu zu kollimieren.

Wie ich darauf kam und welche Ergebnisse ich dabei erzielte möchte ich hier kurz Zusammenfassen:

Ich sah mich eines Tages nach einem Ersatz für mein erstes Teleskop, einem 900mm f/10 achromatischen Refraktor, um. Dieser war mir von der Bauart zu sperrig und die Farbfehler (chromatische Aberrationen), machten ihn für die Fotografie nicht besonders gut geeignet.

Spiegel Optiken nach Maksutov sind farbrein, günstig und kompakt und werden oft auch als Teleobjektive für Kameras gebaut. Ich entschied mich somit für ein 1400mm f/14 Maksutov-Cassegrain welches in Zukunft auch für meine mobile Sternwarte Verwendung finden sollte.

Und wenn man schon eine DSLR Kamera hat, warum dann nicht auch mal mit dem Teleskop als SuperSuper-Teleobjektiv fotografieren? Gesagt getan:

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Das Teleskop mit adaptierter Kamera

Doch das erste Foto, vom Gipfel des Brucker Hausbergs, dem Rennfeld, war alles andere als gut aufgelöst:

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Trotz penibelsten fokussierens: Schärfer wurde es einfach nicht!

Ein weiterer Test an einem Maschendrahtzaun zeigte schnell die Ursache des Problems:

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Die geisterhaften Doppelbilder deuten wohl auf Astigmatismus hin.

 

Von Justage Anleitungen für Newton Teleskopen war mir bekannt, dass die Schrauben zur Kollimierung lediglich sanft angezogen werden sollen, damit sich der Spiegel nicht verformt und dadurch seine Abbildung unscharf wird. Bei der Fertigung solcher Optiken werden diese jedoch anscheinend sehr fest angezogen, vermutlich um die eingestellte Kollimation zu bewahren. Zusätzlich stieß ich einmal über einen fickr post der über das Entspannen der Spiegel einer Russentonne sprach.

Deshalb wurden sofort die Gummiabdeckungen, welche die Justierschrauben verdecken, entfernt und die Schrauben gelockert. Typischerweise finden sich drei Justage-Punkte an einer Spiegeloptik, jede mit zwei Justierschrauben: Eine zieht am Spiegel und die zweite drückt.

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Die zwei länglichen schwarzen Gummipfropfen verdecken je zwei Schrauben. (Der dritte Justagepunkt im Bild ist durch den Winkelspiegel verdeckt.)

Das Lockern der Schrauben führte natürlich dazu, dass sich der Spiegel verkippte und somit die werksseitige Kollimierung verloren ging.

Hier nochmals dieselben Bilder vergrößert:

Nach diesem Erfolgreichen Unterfangen musste natürlich wieder am Maschendrahtzaun getestet werden:

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der Astigmatismus war nun fast vollständig verschwunden.

Perfekt! Fehlte nur noch ein Fotomodell, welches prompt angeflogen kam und am ca. 40m entferntem Dachgiebel einer Garage landete:

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An Kontrast mangelte es noch. Doch auch das war schnell behoben!

Da das Bild nur im unteren Bereich weniger Kontrast zeigte und da das Teleskop recht horizontal ausgerichtet war, kam als Übeltäter nur der helle Himmel über mir in Frage. Ein Stück Karton zur Abschattung sollte da doch helfen, und siehe da:

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Ein passables Ergebnis. Entspannen zahlt sich wirklich aus!

Nach der so erfolgreichen und simplen Verbesserung, wurde eine lausige Spiegeloptik zu einem ganz passablen Objektiv mit 1400mm. Zwar ist es mit f/14 sehr lichtschwach und nicht gerade schnell im fokussieren, doch kann man bestimmt einiges damit anstellen. Ich denke dabei an Fotos vom Mond, der gerade noch mit einem APS-C Sensor ins Bild passen sollte oder von Bussarden die in weiter Ferne auf ihrem Spähpunkt sitzen. Zusätzlich stellt sich mir die Frage, ob nicht die günstigen 500mm Spiegel-objektive nicht genauso unter diesem Problem leiden.

Weiters könnte man versuchen, mit einer 0.5x Brennweitenreduzierung, einer sogenannten Shapleylinse, die Brennweite auf 700mm zu reduzieren und damit die Lichtstärke auf f/7 zu erhöhen.

Doch zuvor muss noch eine Streulichtblende her!

Nachtrag:
Nach einer erneuten Suche im Web zu diesem Thema, fand ich die Seite von Herrn Dr.Strickling, welcher das Entspannen diverser Spiegeloptiken, insbesondere der berühmten Russentonne, sehr ausführlich beschreibt!

 

 

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