Das Fotografieren von Himmelsobjekten, wie Nebel und Galaxien, erweist sich ohne spezielle Mittel als prinzipiell schwierig. Denn die Drehbewegung der Erde, die bei Langzeitbelichtungen zu den schönen Strichspuren führt, macht einen bei dem Versuch ein Himmelsobjekt scharf abzubilden, einen Strich durch die Rechnung. Ich möchte euch hier deshalb eine Methode vorstellen, für die ein statisches Teleskop und eine Kamera ausreichen.
Auf die Idee zu dieser Art der Aufnahme, brachte mich übrigens unser jüngstes Astroclub Mitglied, der eines seiner ersten Astrofotos, auf diese Art und Weise anfertigte.
Aber nun zur Grundidee der Technik:
Was einem an teurem Equipment fehlt, kann man teilweise durch entsprechende Rechenleistung wettmachen. In unserem Fall verzichten wir auf eine, an den Sternen nachgeführte Montierung und verwenden ein ganz normales Stativ.
Mittels fokaler Projektion wird das Teleskop als Super-Tele-Fixbrennweite anstatt dem normalen Kameraobjektiv verwendet. Zur Adaption einer Kamera an ein Teleskop verwendet man üblicherweise einen T2-Adapter und eine passende Steckhülse (1,25″ oder 2″) mit T2-Gewinde. Manche Teleskope besitzen sogar schon ein T2-Gewinde und man kann sich die Steckhülse sparen.
Nun muss die maximal mögliche Belichtungszeit gefunden werden, bei der Sterne noch nicht zu einem Oval oder gar einem Strich verformen. Dazu muss man die Gesamtbrennweite berechnen. Dies bestimmt sich anhand der Brennweite des Teleskops und dem Crop Faktor der Kamera:

In meinem Fall, einem 10″ Dobson mit 1250mm Brennweite und einer Canon 600Da mit einem Crop Faktor von 1.6 ergibt dies:

Aus Tests mit meiner Kamera weiß ich, dass mit einem 200mm Objektiv (320mm effektiv), eine Belichtungszeit von einer Sekunde noch in Ordnung ist, bei zwei Sekunden jedoch bereits Bewegung sichtbar wird. Je nach Pixelgröße der Kamera, kann dies natürlich unterschiedlich sein. Oft ließt man zum Beispiel von einer 600er Regel, als Anhaltspunkt für die maximale Belichtungszeit:

Bei meinem Setup ergibt das eine Belichtungszeit von einer Drittel Sekunde.
Nun suche man sich ein möglichst helles Objekt, wie zum Beispiel den Orionnebel und fokussiert, via Zoom Funktion des Live-View Modus, so genau wie möglich. Achtung: Im Live-View werden meist nur die helleren Sterne und kaum Farben des Nebels sichtbar sein. Beim Orion Nebel im Speziellen, helfen die vier trapezförmig angeordneten Sterne im Zentrum, beim Ausrichten des Teleskops. Testfotos mit hohem (bzw. sogar höchstem) ISO, helfen dabei das gewünschte Objekt zu identifizieren.
Bei ruhendem Teleskop kann man Beobachten, wie die Sterne langsam aus dem Bildausschnitt der Kamera wandern. Dann richtet man das Teleskop so aus, dass das Objekt möglichst lange im Bild bleibt.
Mittels der Planetariums Software Stellarium, kann man übrigens den Bildausschnitt der Kamera, je nach Objektiv und Chipgröße simulieren. Dadurch kann man bereits vorab abschätzen wie lange das Objekt im Bild bleibt.
Nun fotografiert man mit einem Fernauslöser im Serienbildmodus eine Serie von Bildern, solange das Objekt und dessen nähere Umgebung noch ganz im Bild ist. Sollte die schnelle Serienaufnahme zu verwackelten Sternen führen, muss man die Bildrate entsprechend reduzieren, zum Beispiel durch Verwenden einer 2 Sekunden Zeitauslösung.

Danach richtet man das Teleskop neu aus und fotografiert einige weiter Serien.
In meinem Fall habe ich in Summe 75 Fotos gemacht (ISO6400 1/3sec f/4.9).
Die Einzelbilder werden nun als Lightframes in das Programm Deep Sky Stacker geladen. Dort wählt man alle Bilder aus und wählt die Funktion „Bilder Stacken“. Die Einzelbilder werden anhand der Sterne automatisch angeordnet und ein Mittelwert über alle Aufnahmen berechnet. Für eine genaue Beschreibung zu den Einstellungen von Deep Sky Stacker siehe hier.
Das Ergebnis des Stackens ist in diesem Fall ein recht dunkles Bild, auf dem vorerst nur mehr die Sterne sichtbar sind.

Das Fertige Summenbild kann man als 16 oder 32 Bit Datei als .TIF oder .FITS speichern. Da der Dynamikumfang meiner RAW Dateien 12-Bit ist, ist eine Ausgabe als 16-bit Datei vollkommen ausreichend.
Das exportierte .TIF wird nun in ein Bildbearbeitungsprogram geladen. Ich verwende dazu die GIMP Beta-Version 2.9.8, da diese nun, wie Adobe Photoshop, mit 16-Bit Daten umgehen kann.
In GIMP verwende ich den Algorithmus „Reinhard 2005“ unter dem Menüpunkt Farben -> Dynamikkompression mit den Einstellungen: Helligkeit = -10, Chromatische Anpassung = 0, Lichtanpassung = 0,05.
Danach passe ich die Graditionskurve unter Farben -> Kurven an, mache einen Weißabgleich im Menü Farben -> Werte und Setzen eines Schwarz-, Weiß- und eines Graupunktes für alle Kanäle und erhöhe die Sättigung um 30%.

Unter Filter -> Verbessern -> Unscharf Maskieren kann man noch den lokalen Kontrast und die Schärfe verbessern (Radius 8, Menge 0.5, Schwellwert 0), wenn man mit einem Mehr an Bildrauschen leben kann.
Das finale Foto schaut nun wie folgt aus:

Insbesondere faszinierend ist, wenn man die selben Bildbearbeitungsschritte an einer der originalen Einzelaufnahmen anwendet:

Durchaus kann diese Foto-Methode auch ohne Teleskop, also nur mit einem Teleobjektiv, angewendet werden und man kann die Technik, zum Beispiel durch zusätzliches Aufnehmen von Dunkelbildern verbessern.
Für Besitzer einer Canon Kamera kann man diesen Methode anhand des Video Modus noch etwas abwandeln. Aber mehr dazu an einem anderen Mal…
Zu erwähnen wäre noch, dass die hier verwendete Kamera astromodifiziert war, sprich ein Filter vor dem Sensor, der bei Tageslichtfotografie für gedämpfte Rottöne sorgt, wurde entfernt. Da ich aus der licht-verschmutzten Stadt fotografiere, verwende ich zusätzlich einen Clear Sky Filter.
Bis zum nächsten Mal!