Günstigstes brauchbares Teleskop

Mehrmals wurde ich schon gebeten, Auskunft über ein passendes Teleskop für Einsteiger zu geben. Natürlich variieren die Empfehlungen mit den Ambitionen des künftigen Besitzers, doch hier möchte ich eine spezielle Zielgruppe ansprechen: Jeder der einfach mal zwischendurch, ohne großen Aufwand, den Mond beobachten möchte und vielleicht ein paar weitere einfache Ziele. Kurz gesagt: Was ist das billigste Teleskop mit dem man praktisch etwas anfangen kann?

Ich rate dabei gerne von den typischen 100€ Teleskopen beim Diskonter ab. Diese sind nicht nur sperrig und wackelig, sondern verstauben nach einmaligem Gebrauch meistens in irgendeinem Keller.

Ein gern gekauftes Einsteiger-Teleskop, mit einigen lästigen Nachteilen

Die hier abgebildet Konstruktion ist mir besonders oft vor die Augen gekommen. Die Newton Optik ist zwar ganz in Ordnung und man kann prinzipiell tolle Beobachtungen damit machen, doch fallen bei der Verwendung einige Dinge ungünstig auf:

  1. Die Montierung ist filigran und wackelig,
  2. Das Stativ lässt sich nicht einfach zusammenklappen
  3. Die mitgelieferten Okulare sind von billiger Qualität.

Insbesonders Punkt zwei ist ärgerlich, denn ohne Flügelmuttern zu lösen, kann man das Teleskop oft nicht platzsparend verstauen. Die Hemmschwelle es aufzubauen und zu verwenden steigert sich dabei enorm.

Sehen wir uns doch eine wesentlich passablere Alternative an, die noch dazu nicht mehr kosten muss:

Das FirstScope

Ein kurzer Rückblick: Das Jahr 2009 wurde damals auf Vorschlag der Internationalen Astronomischen Union, kurz IAU, zum Internationalen Jahr der Astronomie erklärt. Als Promotion wurde dazu auch ein offizielles Produkt präsentiert, das so genannte FirstScope des Herstellers Celestron. Es handelt sich dabei um einen kurzbrennweitigen Newton, der aufgrund seiner Kompaktheit und seiner Dobson Montierung, ganz einfach auf jedem Tisch aufgestellt und benutzt werden kann. Der Aufdruck berühmter Astronominnen und Astronomen würdigt dabei die Errungenschaften der Astronomie.

Das FirstScope von Celestron. Ein Newton mit einer Öffnung von 76mm und einer Brennweite von 300mm. Es kommt mit zwei Okularen und einer Anleitung.

Aus Interesse am Produkt, ergatterte ich vor ein paar Jahren schon mal, ein günstiges, gebrauchtes Exemplar. Dieses fand dann schnell bei einer Bekannten Verwendung und ersetzte Ihren bisherigen Kellerhüter.

Das FirstScope kommt natürlich auch mit seinen Schwächen, doch punktet es maßgeblich bei der einfachen Handhabung. Benötigt werden lediglich ein Tisch und ein klarer Himmel. Das nette dabei: Wird das FirstScope gerade nicht benötigt, macht es sich super als Dekorelement am Bücherregal. So wartet es, mit bereits montiertem Okular, geduldig auf die nächste Beobachtung. Man muss es sich nur schnappen, die Staubschutzkappen entfernen und damit nach draußen gehen, fertig. Kein Ausflug in den Keller und kein mühsames Aufbauen notwendig. Kaum ein anderes Teleskop kann das FirstScope in seiner einfachen Bedienbarkeit überbieten und selbst professionellere Geräte sind per se mit mehr Aufwand verbunden.

Zusätzlich ist dem FirstScope eine außerordentlich gute Bedienungsanleitung inklusive Beobachtungsvorschläge beigelegt. Besonders positiv anzumerken ist die Tatsache, dass sich aufgrund des offiziellen Sponsorings der IAU, am Produkt keine übertriebenen Marketingversprechungen befinden.
So wird zum Beispiel nicht mit absurden Vergrößerungen oder detailstreichen Hubble-Aufnahmen geworben und im Handbuch finden sich Abbildungen der Planeten, welche den tatsächlichen Beobachtungsmöglichkeiten sehr nahe kommen.

Die Vorteile hier nochmal kurz zusammengefasst:

  1. einfache Bedienbarkeit
  2. kompakte Größe
  3. ausreichende Bildqualität
  4. ausgesprochen gute Anleitung
  5. Möglichkeit zur Aufrüstung und Aufwertung

Die Konstruktionsweise des FirstScope hat natürlich auch schon Nachahmer gefunden und es gibt mittlerweile von den verschiedensten Herstellern äquivalente Angebote, teilweise sogar mit etwas mehr Zubehör. Preislich liegen die Geräte zwischen 70 und 110 Euro und sind somit äußerst erschwinglich.

Beobachtungsmöglichkeiten

Nun stellt sich nur noch die Frage was man damit eigentlich so beobachten kann. Natürlich als erstes der Mond, ins besonders wenn nicht gerade Vollmond ist, zeigt dieser an der Tag-Nacht Grenze die ganze Pracht seiner Krater. Auch bei der Beobachtung der Planeten zeigt der Jupiter seine Monde und der Saturn, wenn auch nur sehr klein, seine majestätischen Ringe.

Eine besonders hohe Auflösung kann man sich allerdings vom FirstScope nicht erwarten und man muss mit einer gewissen Unschärfe leben. Wie man die Schärfe bei Mond und Planeten doch noch etwas hochschrauben kann, werden ich euch beim nächsten Beitrag zeigen.

Richtig punkten kann das FirstScope allerdings in einer ganz anderen Disziplin: Durch die kurze Brennweite lassen sich auch besonders großflächige Objekte, wie große offene Sternhaufen, gut beobachten. Mit dem 20mm Hygens Okular ergibt sich eine Vergrößerung von nur 15. Dies ist nicht viel mehr als ein typisches Fernglas und somit sollten sogar die Plejaden, die üblicherweise mit Teleskopen stets gemieden werden, im FirstScope ein schöner Anblick sein.

Auch einen Versuch wert sind die Krippe im Krebs und der Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Auch Sterne und Doppelsterne wie Alkor und Mizar lassen sich gut mit dem FirstScope beobachten. Durch die kurze Brennweite ist das kleine Teleskop mit ~f/4 auch relativ lichtstark. Einen dunklen Himmel vorausgesetzt, sollte auch das Auffinden der Andromeda Galaxie oder des Orionnebels relativ leicht fallen. Mit etwas Übung lassen sich auch noch einige andere Galaxien und Sternhaufen finden: Feuerrad und Strudelgalaxie, H & Chi Perseus Doppelsternhaufen, etc.

Aufsuchhilfe

Sternkarten und Planetariums-Software helfen übrigens beim Planen und auffinden der Objekte. Besonders zu empfehlen ist die Anschaffung eine drehbare Sternkarte und einer schwachen roten Taschenlampe, welche beim Lesen die Dunkeladaption der Augen nicht so sehr beeinträchtigt. Als Planetariums Software zum Planen der Beobachtung ist übrigens die Software Stellarium gut geeignet.

Den Trick zur Erreichung einer besseren Bildschärfe findet ihr im nächsten Beitrag.

Zum Schluss noch ein Lese-Tipp zum Teleskopkauf (Englisch) :

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