FirstScope: Okular-Upgrade

In den letzten Beiträgen habe ich euch den FirstScope gezeigt, ein kleines und günstiges Teleskop, das sich leicht verstauen und bedienen lässt. Auch konnten wir es mit einer selbstgebauten Kartonblende verbessern und eine wesentlich schärfere Abbildung für helle Objekte erreichen. Heute möchte ich euch noch einige Okulare vorstellen, die das Beobachtungserlebnis mit dem FirstScope nochmals enorm verbessern.

Die dem FirstScope beigelegten Okulare entsprechen den Bauarten, Huygens (H) und symmetrical Ramsden (SR) und sind relativ einfache Linsensysteme, die zwar gut Abbilden, aber leider auch nur ein sehr kleines Gesichtsfeld aufweisen.

Das SR Okular verfügt nur über einen sehr kleinen Augenabstand, weshalb eine Beobachtung mittels Brille nur eingeschränkt möglich ist. Denn bereits bei einem leicht vergrößerten Abstand zwischen Auge und Okular, kann das Gesichtsfeld nicht mehr vollständig überblickt werden, was den Tunnelblickeffekt verschlimmert.

Solange man ausschließlich an Kurz- oder Weitsichtigkeit leidet, kann natürlich problemlos ohne Brille beobachtet werden, denn das Teleskop kann entsprechend der Fehlsichtigkeit um-fokussiert werden. Beim Wechsel zwischen zwei Beobachtern muss allerdings neu fokussiert werden. Solange also nicht in der Gruppe beobachtet wird und ein ständiges Re-fokussieren vermieden werden soll, ist ein kürzerer Augenabstand also nicht zwingend ein K.O. Kriterium. (Doppelbilder durch Astigmatismus lassen sich im Teleskop allerdings nicht korrigieren, da wäre eine Beobachtung mit Kontaktlinsen zu bevorzugen.)

Anders ist es allerdings beim Gesichtsfeld:
Um Objekte am Himmel leichter auffinden zu können, ist gerade für Anfänger, ein großes Gesichtsfeld wohl eines der wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines Okulars. Wesentlich wichtiger, als sich um etwaige Abbildungsfehler wie Farbsäume oder Verzerrungen zu kümmern.
Je größer allerdings das Gesichtsfeld eines Okulars, desto schwieriger wird es mittels optischem Design und durch Wahl der Komponenten, eine gute Abbildung zu erreichen. Gute Weitwinkelokulare sind deshalb dementsprechend komplex und somit teuer in der Anschaffung.

Das wahre Gesichtsfeld (WGF) einer Teleskop/Okular-Kombination ist der Himmelsausschnitt, den man durch das Okular sehen kann und wird in Grad angegeben. Es hängt wiederum vom scheinbaren Gesichtsfeld (SGF) des Okulars und von der Vergrößerung (V) der Teleskop/Okular-Kombination ab. Die Formel lautet näherungsweise: WGF = SGF / V.
(Für die genauere Berechnung mittels Winkelfunktionen siehe hier.)

Zum SGF von Huygens und Ramsden Okularen kursieren verschiedenen Angaben im Internet.
Aufgrund von Vergleichsmessungen mit den mir verfügbaren Okularen würde ich diese aber auf 25° respektive 35° abschätzen.

Für ein 20mm Huygens-Okular und ein 4mm symmetrical Ramsden-Okular am FirstScope ergeben sich demnach folgende WGFs:
Vergrößerung V = Brennweite des Teleskops / Brennweite des Okulars
V20mm Huygens = 300 / 20 = 15x
WGF20mm Huygens = 25 / 15 = 1,67°
V4mm Ramsden = 300 / 4 = 75x
WGF4mm Ramsden = 35 / 75 = 0,47°

Die Qualität von Optiken hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. an der Form und der Vergütung der Linsen. Sphärische Linsen haben eine kugelförmige Oberfläche, und sind wesentlich einfacher und kostengünstiger herzustellen als ihr asphärisches Pendant.

Allerdings führen sie auch zu ungewollten Abbildungsfehlern, sogenannten sphärische Aberrationen, deren negativer Einfluss durch eine geschickte Anordnung mehrerer Linsen zu kompensieren versucht wird. Besonders bei schwierig zu korrigierenden Weitwinkeloptiken werden demnach asphärische Linsen benötigt um die Abbildungsqualität des optischen Systeme zu erhalten.

Nun aber zu den Okularen die ich hier vorstellen möchte:
Diese stammen vom chinesischen Hersteller SVBONY, und auch die bekanntere Marke Celestron vertreibt diese anscheinend auf Lizenzbasis.
Das Set ist bereits für knapp 30€ im Internet zu haben und zeichnen sich durch zumindest ein asphärisches Element aus, welches verhältnismäßig gute Abbildungsleistungen bei erweitertem Gesichtsfeld verspricht. Die niedrigen Kosten werden dadurch erreicht, dass die Optikelemente anstatt aus Glas aus Kunststoff geformt sind. Daraus lassen sich asphärische Formen wesentlich leichter herstellen als aus Glas. Da nur die Steckhülse aus Metall besteht, sind sie sehr leicht und fühlen sich sehr billig an, bieten aber vergütete Oberflächen und durch das größere Gesichtsfeld ein wesentlich besseres Beobachtungserlebnis als die original mitgelieferten Okulare.
Das Set besteht aus drei Stück mit 23mm, 10mm und 4mm Brennweite und jeweils 62° scheinbarem Gesichtsfeld (SGF).

Zur Kontrolle habe ich das SGF mit meiner Handykamera nachgemessen, indem ich die Okulare an die Linse gehalten habe und mittels Weitwinkelkamera Fotos gemacht habe. Mit der Annahme, dass das 23mm Okular tatsächlich ein SGF von 62° hat, habe ich das SGF des 10mm und 4mm, als auch der originalen Huygens und Ramsden Okulare berechnet. Dazu misst man die Durchmesser des Bildkreise in den Fotos uns setzt diese ins Verhältnis zum 23mm Okular. Das Ergebnis war, dass die 10mm und 4mm Okulare nur ein SGF von etwa 54° besitzen.

Diese Messemethode ist aufgrund der Verzerrung der Kameralinse vermutlich nicht sehr exakt, war aber relativ einfach durchzuführen. Alternativ müsste man mit einer Flatfieldbox vor dem Teleskop den Bildkreis aller Okulare, bei gleichem Abstand auf ein Blatt Papier projizieren und so das SGF bestimmen.

Brennweite und TypSGFVapprox. WGFWGF via Formel**
23mm SVBONY62°13x4,75°5,28°
20mm Huygens *25°15x1,67° *1,69° * (eher = ~2°)
10mm SVBONY54°30x1,80°1,95°
4mm s.Ramsden35°75x0,47°0,48°
4mm SVBONY54°75x0,72°0,78°
Tabelle mit allen Okulardaten im Überblick.
*Laut Wikipedia ist die Berechnungsformel zum WGF für Huygens Okulare nicht gültig und ein schneller Vergleich am Teleskop zeigt, dass das Blickfeld minimal größer ist als der des 10mm SVBONY Okulars. Andererseits könnte es auch sein, dass meine rudimentäre Messmethode mittels Handykamera das SGF leicht unterschätzt.
**Trigonometrische Formel zum wahren Gesichtsfeld: siehe Wikipedia

Faszinieren ist, dass das 10mm SVBONY Okular, trotz der doppelten Vergrößerung, ein fast gleich großen Himmelsausschnitt zeigt und, dass das 23mm Okular sogar ganze 5° des Himmels abbildet. Damit lassen sich Objekte nun wesentlich leichter als zuvor auffinden.

Das 4mm Okular ist leider das schlechteste der Serie. Es handelt sich dabei prinzipiell um das 10mm Okular, allerdings findet sich in der Steckhülse eine winzige Smyth-Linse, welche die Brennweite entsprechend reduziert. Die dabei entstehende 75 fache Vergrößerung überschreitet auch schon die Möglichkeiten des kleinen Guckis, selbst unter Verwendung einer Abblendung.

Fazit: Im Vergleich zu den mitgelieferten Standardokularen bieten selbst die günstigsten Kunstoffokulare ein angenehmeres Beobachtungserlebnis und werten das FirstScope massiv auf!

Teurere Okulare bieten am First Scope keinen weiteren Mehrwert, und rentieren sich nur dann, wenn in Zukunft mal eine größere Optik mit parabolischem Spiegel, wie zb dem Skywatcher 130mm Heritage, angeschafft wird. Dann sind bei gutem Himmel, Vergrößerungen bis zum zweifachen Objektivdurchmesser möglich.

Ich hoffe der Beitrag hilft euch, das Beste aus eurem kleinen FirstScope herauszuholen!

Clear Skies!

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