Aufwerten des FirstScopes

Im letzten Beitrage habe ich euch das günstige FirstScope vorgestellt und hier möchte ich euch zeigen, wie Ihr das Beste aus dem kleinen Gucki herausholen könnt. Denn mit etwas Karton und Klebstoff kann man die Bildschärfe entscheidend verbessern.

Das größte Problem

Zwar punktet das FirstScope enorm in seiner Kompaktheit und Benutzerfreundlichkeit, dennoch hat es einen spezifischen Nachteil in seiner optischen Konstruktion.

Denn wie bei den meisten günstigen Geräten handelt es sich beim Hauptspiegel lediglich um eine sphärisch geschliffene Optik. Bei den langbrennweitigen billig Newtons ist das an und für sich auch kein all zu großes Problem, denn bei kleinem Öffnungsverhältnis ist die benötigte Krümmung des Spiegels gering. Je kleiner die Krümmung und der Spiegeldurchmesser, desto weniger Abweichung ergibt sich zwischen der sphärischen und der eigentlich angestrebten parabolischen Form.

Das FirstScope hat mit 300mm allerdings eine sehr kurze Brennweite und das bei einer ähnlich großer Öffnung von 76mm. Das ergibt also ein relativ lichtstarkes Öffnungsverhältnis von ungefähr f1/4, wo andere Einsteigergeräte eher von f1/8 oder f1/10 haben.

Die hohe Lichtstärke des FirstScope ist auch ein Vorteil bei der Beobachtung von Deep Sky Objekten, da diese so wesentlich leichter ausgemacht werden können. Und weil die bei kleinen Teleskopen sowieso nur als diffuse Nebelflecken erscheinen, ist ein Mangel an Auflösung auch durchaus verkraftbar.

Zusätzlich muss man einen sphärischen Hauptspiegel, zumindest bei einer Optik nach Newton, nicht kollimieren, denn eine Kugel ist eine Kugel, ganz egal wie man sie kippt. So fehlen dem FirstScope auch die Justageschrauben am Hauptspiegel, was also keinem Mangel entspricht.

Betrachtet man allerdings den Mond, der durch seine Helligkeit auch mit weniger Lichtstärke auskommen würde, merkt man beim Fokussieren, dass die schönen Mondkratern einfach nie richtig scharf erscheinen. Die entstehende Bildverschlechterung durch den kugelförmigen Hauptspiegel nennt man sphärische Aberration und es kommt einem dadurch ständig vor, man hätte noch nicht richtig fokussiert.

Die Lösung

Um die Schärfe nun zu erhöhen, kann man einfach den äußeren Teil des Hauptspiegels mit einer Blende abdecken und somit das Öffnungsverhältnis künstlich erhöhen. Dabei sollte man es aber aus zweierlei Gründen nicht übertreiben:

  • Einerseits hat der Sekundärspiegel, der den Lichtstrahl des Hauptspiegels zum Okularauszug umlenkt, auch einen gewissen Durchmesser und dieser Verdeckt bereits den zentralen Teil des Hauptspiegels (Obstruktion). Der Blendendurchmesser sollte also noch um einiges größer als die ~28mm des Fangspiegels sein, wie der Sekundärspiegel übrigens auch genannt wird.
  • Zweitens wird das Auflösungsvermögen einer idealen (aberrationsfreien) Optik, beugungsbedingt, durch dessen Öffnung (Apertur) bestimmt. Sprich eine größere Öffnung bedeutet prinzipiell eine höhere Auflösung. Ist die Öffnung zu klein, limitiert man auch die maximal erreichbare Auflösung.

Ein guter Kompromiss wäre z.B. eine Öffnung von 45mm, was somit ein reduziertes Öffnungsverhältnis von f1/6.6 erzeugt. Das führt zwar nun zu einem dunkleren Bild, müsste jedoch die sphärische Aberrationen stärker begrenzen, als das Auflösungsvermögen und somit insgesamt zu einem schärferen Bild führen.

Bastelanleitung:

Benötigt wird etwas Karton, Scheid und Messutensilien, als auch etwas Klebeband und Klebstoff.

Ein dünner Streifen Karton wird nun in die Nut der Frontöffnung gelegt und der dabei entstehende Ring mit Klebeband fixiert. Die fertige Blende kann dann wie der Staubschutzdeckel einfach vorne aufgesteckt werden.

Danach den 45mm Kreis anzeichnen und freischneiden, den Ring ankleben, den überstehenden Karton der Blende stutzen. Die fertige Blende kann dann noch schwarz angemalt werden, um Reflexionen zu mindern.

Ich hatte zwei Varianten, einmal mit 40mm und einmal mit 50mm, würde aber hier, wie schon oben erwähnt, einen Durchmesser von 45mm empfehlen.

Ergebnisse

Hier ein paar Vergleichsbilder, mit und ohne Blende:

links mit und rechts ohne der Apertur begrenzenden Blende. Besonders bei den Ästen ist eine klare Steigerung der Schärfe erkennbar
Auch am Mond reduziert sich die Unschärfe am Rand (siehe links oben) enorm und auch die Krater wirken deutlich schärfer.

Doch nicht nur am Mond sondern auch bei den Planeten sollte diese Blende hilfreich sein. Die Monde des Jupiter und auch der Ring von Saturn müssten so leichter zu beobachten sein. Auch wenn es das FirstScope mit seinen 300mm bei den Planeten recht schwer hat, sollen sich dank der Blende nun doch einige Details zu erkennen geben.

Und nicht vergessen: Blickt Ihr wieder tief in den Himmel und beobachtet Galaxien und Nebel, müsst ihr die Blende natürlich wieder abnehmen, damit nicht das wenige Licht, welches uns von dieser Objekte erreicht, unnötig gemindert wird.

Ich hoffe dieses einfache DIY Projekt animiert zum Nachmachen und wertet das eine oder andere FirstScope soweit auf, dass es vielleicht wieder öfter vom Regal genommen und verwendet wird.

Übrigens: Auf der Unterseite des FirstScope findet sich eine ähnliche Nut wie an der Vorderseite und man kann die Blende bei Nichtbenutzung dort sehr gut festklemmen und somit platzsparend verstauen.

Beim nächsten Post erzähle ich euch dann mit welchem günstigem Zubehör sich das Aufsuchen und Beobachten von Objekten entscheiden erleichtern lässt.

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