Weitfeldbinokular im Eigenbau

Die kuriose Optik von Weitfeld-Ferngläsern:

Sogenannte Weitfeld-Ferngläser nehmen in der beobachtenden Astronomie eine durchaus kuriose Sonderstellung ein. Bedingt durch ihre sehr geringe Vergrößerung erzeugen sie eine Austrittspupille, die weitaus größer ist, als das menschliche Auge überhaupt erfassen kann. Bei einer Konfiguration von beispielsweise hier 58mm Eintrittspupille und zweifacher Vergrößerung, resultiert eine Austrittspupille von 29 mm – ein immenser Wert, wenn man bedenkt, dass die maximale Pupillenöffnung bei Erwachsenen lediglich bei etwa 7mm, evtl. 9mm bei jungen Erwachsenen liegt.

Obgleich derartige Gläser rein physikalisch betrachtet wenig effizient erscheinen mögen, erfreuen sie sich in der Praxis großer Beliebtheit, was auch durch das entsprechende Angebot an kommerziellen Produkten belegt wird. Ihr wesentlicher Vorzug liegt in dem enormen Gesichtsfeld: Der Beobachter kann innerhalb der überdimensionierten Austrittspupille förmlich umherblicken, was ein besonders entspanntes und intuitives Beobachtungserlebnis ermöglicht.

Für interessierte Sternfreunde lässt sich eine funktionale Eigenbau-Variante auf Basis von kostengünstigen Tele-Vorsatzlinsen, zwei einfachen 3D Druckteilen und einer überdimensionierten Schraube realisieren. Mit etwas Suchen sollte dies für knapp 30€ möglich sein.

Zwar muss man bei einer solch einfachen Konstruktion auf eine Antireflexvergütung sowie auf einen \textbf{Fokussiermechanismus verzichten (!)}, die Beobachtungsresultate sind dennoch erstaunlich. Selbst mit diesen rudimentären Mitteln lassen sich Messier-Objekte aufspüren, die dem bloßen Auge verborgen blieben. Zudem lässt sich für gewöhnlich ein komplettes Sternbild vollständig im Gesichtsfeld erfassen.

Um Brillenträger zu berücksichtigen, lässt sich auch eine passgenaue Augenmuschel aus flexiblem TPU im 3D-Drucker anfertigen. Diese deckt die rückseitigen Gewinde ab und schützt Brillengläser zuverlässig vor Kratzern durch das Metallgehäuse.

Für ambitioniertere Konstrukteure bestünde darüber hinaus die Möglichkeit, ein maßgeschneidertes Linsengehäuse mit einer einfachen Fokussierung zu entwerfen und die Linsen aus den Vorsatzadaptern dafür zu verwenden.

Einen Link zu den STL Dateien findet ihr hier:
https://www.thingiverse.com/thing:7323217

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